Informationen über das Tal

Das Gressoneytal – auch Lystal genannt – ist das längste und wohl auch mannigfaltigste Seitental der Region. In seinem unteren Abschnitt ist es von Felswänden gesäumt, während es weiter oben immer breiter wird und durch weite Ebenen, wo berühmte Ferienorte entstanden sind, gekennzeichnet ist. An seinem oberen Ende befindet sich der große Lysgletscher mit der wunderschönen Bergkette des Monte Rosa. Den Lysbach, der das ganze Tal durchrinnt, überspannen kühne römische Brücken.
Das Gressoneytal, das von Wasserfällen und kleinen verstreuten Weilern geprägt ist, gefiel Königin Margherita von Savoyen so sehr, dass sie sich dort ein Schloss bauen ließ. Daran nahmen sich viele aus ihrem Gefolge ein Beispiel und dies erklärt das Entstehen von aristokratischen Residenzen, die noch heute zu sehen sind und nur sehr wenig mit dem für diese Gegend typischen „Bergstil“ zu tun haben. Die wichtigsten Ortschaften sind zwei: Gressoney-La-Trinité und Gressoney-Saint-Jean. Beide liegen am oberen Ende des Lystals: das raffinierte Saint-Jean in der unteren Ebene und La-Trinité mit seinen Weilern und den auf pilzförmigen Steinpfeilern ruhenden Stadeln aus Lärchenholz weiter oben. Diese typischen bäuerlichen Gebäude sind das wertvolle Erbe der Walser, eines alemannischen Volksstammes, der sich im 13. Jahrhundert im schweizerischen Wallis und in den Tälern um das Matterhorn und das Monte-Rosa-Massiv niederließ. Die „Titsch“ genannte Walsersprache wird immer noch gesprochen und ist in einem Wörterbuch mit 13.000 Lexemen erfasst. Die Geschichte der Walser bezaubert all diejenigen, die von Pont-Saint-Martin aus das Tal bereisen. Man fährt an Perloz mit dem Schloss der Vallaise vorbei und kommt dann zur Pfarrkirche von Lillianes und zu den typischen, um die mittelalterliche Steinbrücke versammelten Häusern von Fontainemore. Kurz danach erreicht man Issime, das für die Freske auf der Fassade der Pfarrkirche bekannt ist. Dieses Bild stellt das Jüngste Gericht dar und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Man setzt seine Reise fort und, nachdem man durch Gaby gefahren ist, kommt man in Gressoney-Saint-Jean an. Die alten Gebäude rund um den Umbertoplatz, die Jugendstilhäuser und die Pfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert verleihen diesem Dorf den Charme vergangener Tage. Das Mondäne beschränkt sich hier auf den Ritus der heißen Schokolade oder auf den Genuss, ein so genanntes „Weiss“ zu bestellen, d. h. ein rohes Weizenbier, das einer der vielen Beck aus Gressoney in Deutschland erfolgreich zu lancieren wusste und daraus eine sehr bekannte Marke machte. Ein Muss ist die Besichtigung des Schlosses Savoia und des Alpenfaunamuseums, wo zahlreiche Jagdtrophäen und alte Waffen ausgestellt sind. Skifahrer und –läufer finden in Gressoney erstklassige Pisten und Loipen und leidenschaftlichen Wanderern stehen mannigfaltige Trekkingtouren und Spaziergänge zur Verfügung. Das obere Lystal weist nämlich über 30 markierte Wanderwege unterschiedlicher Länge (zwischen dreißig Minuten und sechs Stunden) auf. Einige davon eignen sich auch fürs Mountainbike. Auf dem Weg befinden sich oft Berghütten, wo man eine Pause machen kann. In Gressoney-La-Trinité gibt es schließlich auf beiden Talseiten die wichtigsten Aufstiegsanlagen, welche von Staffal aus nach Bettaforca und nach Passo Salati und Punta Indren hinaufführen. Diese Lifte ermöglichen, zwei Alpenpässe zu überschreiten und nach Alagna Valsesia bzw. Champoluc hinunter zu fahren. Die Skipisten verwandeln sich im Sommer in gemütliche Wanderwege, die sich auf verschiedenen Höhen erstrecken: von den 1385 Metern von Gressoney-Saint-Jean bis hinauf zu den 3600 Metern der Quintino-Sella-Hütte.
Besonders sehenswert ist der Umzug anlässlich des Johannisfestes am 24. Juni. An diesem Tag ziehen die Frauen die typische Walsertracht an, die unter anderem aus einer prächtigen Haube aus Filigran besteht.